Exposé zum MA-Projekt “Bibliothekarische Dienstleistungen für Literaturverwaltung”

Ich habe heute mein Konzept für die Magisterarbeit im Forschungskolleg anhand meines Exposés vorgestellt. Ein paar Anregungen habe ich in einer neuen Version des Papiers bereits eingebaut. Die Diskussion im Kolleg werde ich im Wochenrückblick näher beleuchten…

Zum Exposé (pdf)

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7 Responses to “Exposé zum MA-Projekt “Bibliothekarische Dienstleistungen für Literaturverwaltung””

  1. Dezember 11th, 2009 | 10:23

    “Für den Bereich der persönlichen Organisation bibliographischer Daten, haben sich elektronische Literaturverwaltungssysteme durchgesetzt”? Schön wär’s. Du kannst ja mal eine Umfrage unter den IBI-Dozenten machen, wer überhaupt ein Literaturverwaltungssystem (und wenn ja, welches) einsetzt.

  2. Dezember 13th, 2009 | 11:08

    Hallo Martin,

    vielen Dank für dein Feedback. Vielleicht ist die Aussage in der Wortwahl etwas kühn, aber ich stehe dazu. Meine Überzeugung ist, dass elektronische Literaturverwaltung das herkömmliche Zettelkastensystem abgelöst hat und der Bedarf seit langem da ist, was durch immer besssere IT und durch die Web 2.0-Entwicklungen ja eine neue Qualität angenommen hat. Warum werden denn so viele Softwarelösungen entwickelt, vor allem auch aus dem wissenschaftlichen Umfeld heraus? (Beispiele sind refbase, liblia, oder natürlich auch bibsonomy, die Entwicklung begann aber schon Anfang der 80er…) Ferner:
    In den Texten / Veröffentlichungen zum Wissenschaftlichen Arbeiten werden seit Jahren Literaturverwaltungssysteme (LVS) thematisiert…
    Ich werde deine Anregung aber mal aufgreifen und Anfang des neuen Jahres bei uns eine Umfrage zur Nutzung von LVS machen. Sofort geht das noch nicht, denn erst kürzlich habe ich das IBI mit einer Moodle-Umfrage malträtiert. ;-)

    Viele Adventssonntagsgrüße

  3. Stephan Rosenke
    Dezember 13th, 2009 | 18:02

    Ich würde auch Martin de la Iglesia zustimmen: die Nutzer von persönlichen Literaturverwaltungsprogrammen dürften noch eine deutliche Minderheit stellen. Gerade bei arrivierten Wissenschaftlern dürften die Opportunitätskosten bei einem Wechsel von der bisherigen Literaturverwaltung (Zettelkasten, Word-File) eine erhebliche Rolle spielen; von der Verprellung durch mögliche frühere, mißglückte Systemwechsel mal abgesehen. Zu beachten sind natürlich immer fachspezifische bzw. wissenschaftskulturelle Unterschiede.

    Die Thematisierung in der Fachliteratur sagt ja noch nichts über die reale Verbreitung, eher noch lässt sich aus häufiger Erwähnung der Grad des Ungewöhnlichen ablesen.

    Wenn ich hier in die noch vorhandene Einführung (Borowsky/Vogel/Wunder) blicke, gibt es keine Hinweise auf persönliche Literaturverwaltungen, sondern es wird die Anlage einer Sachkartei auf Karteikarten erläutert (in der ⁵1989 immerhin, was zehn Jahre später immer noch die aktuelle Auflage war).

  4. Dezember 14th, 2009 | 22:01

    Hallo Herr Rosenke,

    Der Hinweis auf fachspezifische bzw. wissenschaftskulturelle (auch Alters- bzw. Generationen-) Unterschiede kann ich durchaus anerkennen, v.a. da es auch unterschiedliche Publikationskulturen gibt , in denen in den einen bereits länger und intensiver das elektronische Publizieren praktiziert wird, als in anderen. Aber in jeder Wissenschaft müssen zunehmend (bibliograph.) Fach-Informationen zur Kenntnis genommen, gesammelt und aufbereitet werden, die singuläre Anführung einer hoffnungslos veralteten Einführung ins (geschichts-)wissenschaftliche Arbeiten (da spricht mir Stefan Jordan in seinem bereits 2005 erschienenen Reclam-Bändchen über das Geschichtsstudium aus der Seele) überzeugt mich daher nicht. Dafür gibt es in der Geschichtswissenschaft auch viel aktuellere Publikationen. Und natürlich auch allg. auf die Geistes- und Sozialwissenschaften gemünzt: Der Aufsatz von Krajewski zur Literaturverwaltung in Franck/Starys Standardwerk zum Wiss. Arb. (erschienen 2009 in 15. Auflage) wäre ein umgehendes Gegenbeispiel – online über verzetteln.de verfügbar. Und weiter: Warum wurde mit Lit-Link, eine speziell für Geschichtswissenschaftler ausgerichtete Literaturverwaltung entwickelt? Ich weiß, dass es eine Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit gibt. Meine Aussage bezieht sich auch auf die offensichtlichen Vorzüge die elektr. Literaturverwaltungssysteme (auch in der Masse Ihres Angesbots) gegenüber Zettelkästen entwickelt haben und die auch immer wieder artikuliert werden. Wenn es eine Studie gibt, die gegenteiliges belegt, dann lasse ich mich gern überzeugen.

  5. Dezember 15th, 2009 | 09:00

    Richtige Studien kenne ich keine, aber gelegentlich gibt es Umfragen an wissenschaftlichen Einrichtungen, auch an Max-Planck-Instituten, welche LVS eingesetzt werden. Und da ist “gar keins” immer noch eine beliebte Antwort.
    Die Vorzüge eines elektronischen LVS bestreitet ja auch niemand, aber vielen Wissenschaftlern sind sie einfach nicht bewußt oder auch nur bekannt.
    Was Stephan Rosenke vermutlich meint, ist, daß die Lehrbücher von vor 20 Jahren immer noch benutzt werden, bzw. daß das der Stand ist, auf dem heutige Wissenschaftler stehengeblieben sind. Und ich muß auch sagen: Während meines ganzen Studiums, das ja noch nicht allzu lange her ist, waren LVS kein Thema, auch nicht in Bibliothekswissenschaft. Gut, Herr Havemann hatte mal beiläufig erwähnt, daß es BibTeX gibt. Aber das erste mal ein LVS benutzt habe ich erst jetzt im Beruf.

  6. Stephan Rosenke
    Dezember 15th, 2009 | 19:46

    First things first: für Studien zur Nutzung von Literaturverwaltungen bietet das in diesem Zusammenhang nicht genug zu lobende Blog von Dörte Böhner erste Hinweise, da müsste man bei den entsprechenden Bibliotheken nachfragen. Veröffentlichte Ergebnisse kenne ich bis auf Hamburg nicht und da wird ja in den Kommentaren die Unkenntnis des “Wer hat geantwortet” von Anne Christensen selbst hervorgehoben ().

    Meine Skepsis, daß sich elektronische Literaturverwaltungssysteme durchgesetzt, also in einem überwiegenden Anteil für die Literaturverwaltung genutzt werden, bleibt aber bestehen: die Opportunitätskosten für einen Systemwechsel sind vorhanden und meine anekdotischen Kenntnisse über die Arbeitsweise von Wissenschaftlern (wissenschaftliche Mitarbeiter und Professoren, aber auch Studenten) zeigen mir den selben bunten Strauß an Lösungen, den auch Plieninger aufführt, die alle gleichzeitig in Gebrauch sind.

    Martin de la Iglesia hat mit seiner Interpretation vollkommen recht: Fähigkeiten bzw. Systeme wie Literaturverwaltung werden häufig einmal “erlernt” und später nicht mehr hinterfragt oder man befindet sich in einem Lock-In: die Migration der Altdaten ist sehr teuer, also macht man mit dem alten System weiter – wider besseres Wissen. Immerhin wird das meistens nicht als State-of-the-Art in den Lehrveranstaltungen vermittelt.

    Bei Stefan Jordans Einführung stellt sich natürlich die Frage, wo er denn Literaturverwaltungssysteme thematisiert: weder Inhaltsverzeichnis noch kurzes Anlesen erhellte mich diesbezüglich. Was mich auch nicht verwundert, dürfte das Büchlein 2004 vollendet worden sein und da war von vielen Programmen und Angeboten noch nichts zu sehen. Traditionelle Methoden habe ich allerdings auch nicht gefunden.

    Betrachte ich mir unsere Veranstaltungen zur Literaturverwaltung, so kann ich ein erhöhtes Interesse daran feststellen, gerade in den textintensiven Geisteswissenschaften – das war vor einem Jahr (an einer anderen Universität allerdings) noch anders. Aber das sind erstmal noch hauptsächlich Studierende.

    Eine fundamentale Abneigung gegen elektronische Literaturverwaltungssysteme wird man wohl nur bei Ludditen finden. :-)

  7. Dezember 15th, 2009 | 20:31

    Guten Abend,

    vielen Dank für die ausführlichen Rückmeldungen. Die vorgebrachten Argumente kann ich durchaus nachvollziehen. Ich ziehe meine Aussage zwar nicht gänzlich zurück, aber in (momentaner) Ermangelung von fundierten Gegenbeweisen, muss ich wohl zurückrudern und “Für den Bereich der persönlichen Organisation bibliographischer Daten, haben sich elektronische Literaturverwaltungssysteme durchgesetzt” vorerst in die Kategorie These verorten. Ich halte Augen und Ohren offen…

    Mit dem Verweis auf Jordan habe ich nicht die Thematisierung von Literaturverwaltungsprogrammen gemeint, sondern seine Einschätzung des Werks von (Borowsky/Vogel/Wunder referenziert. Siehe die die annotierten, bibliographischen Hinweise, S. 168ff.) Sorry für das Missverständnis und mein Versäumnis korrekt zu zitieren.

    Wir haben uns eigentlich nur an diesem einen Satz aufgehalten. Hast du / haben Sie ferner etwas zum Konzept anzumerken?

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