Entwurf einer Klassifikation bibliothekarischer Dienstleistungen für Literaturverwaltung
Endlich habe ich meine letzte Hausarbeit fertiggestellt und kann mich nun – abgesehen von meiner Hilfskrafttätigkeiten – ganz dem MA-Projekt widmen. Auch wenn ich viel zu lange an dem kleineren, bibliothekshistorischen Werk gesessen habe, so kam meine Beschäftigung mit “Bibliotheken und Literaturverwaltung” nicht zu kurz: Ich habe vor allem über eine facettierte Klassifikation der Dienstleistungen gebrütet.
Bisher ist mir bei meinen Recherchen noch kein nennenswerter Versuch einer Strukturierung des Servicespektrums von Bibliotheken für die persönliche Literaturverwaltung, aufgefallen. (Man möge mich gern eines besseren belehren!) Dies nehme ich zum Anlass meinen (vorläufigen) Vorschlag an dieser Stelle zu veröffentlichen. Möglicherweise ergeben sich daraufhin Hinweise auf andere Ansätze und Anregungen zur Fortentwicklung meiner Variante.
Da gewisse Attribute für alle Klassen auftreten (können), habe ich mich für eine unterstützende Facettierung entschieden. Wie der Mindmap zu entnehmen ist, habe ich vier Klassen gebildet. Ich habe diese folgendermaßen definiert.
1. Informierende Dienstleistungen
Unter “informierenden Dienstleistungen” seien jene Services von Bibliotheken verstanden, die den Nutzern helfen, sich mit den Prinzipien elektronischer Literaturverwaltung im allgemeinen wie im speziellen konkret produktbezogen, vertraut zu machen. Diese Formen der Dienstleistung für Literaturverwaltung setzen noch keinen aktiven Gebrauch von Literaturverwaltungssoftware voraus, sondern haben das Ziel, theoretisch über Funktionen und Möglichkeiten der Literaturverwaltung aufzuklären. Die Präsentationsform reicht hier vom statischen Einführungstext zu den Vorteilen von Literaturverwaltung bis hin zum Video, in dem vergleichend einzelne Programme vorgestellt werden.
2. Unterstützende Dienstleistungen
“Unterstützende Dienstleistungen” seien als Services von Bibliotheken definiert, welche den Nutzern zur aktiven Auswahl und Auseinandersetzung von und mit Literaturverwaltungstools bereitstehen. Das Spektrum dieser Art von Dienstleistungen, reicht von der Bereitstellung von bestimmten Literaturverwaltungsprogrammen (freier Download, Campuslizenz o.ä.) über praktische Schulungen die orts-abhängig oder ortsunabhängig stattfinden können, bis hin zu Supportangeboten, die bei Nutzungsfragen konsultiert werden können.
3. Übertragende Dienstleistungen
Mit “Übertragenden Dienstleistungen” sind jene Services definiert, die die Nutzer dazu befähigen, strukturierte bibliographischen Daten, die bibliothekarische Institutionen in ihren Katalogen und Datenbanken vorhalten, über Austauschformate Schnittsstellen zu übernehmen und für die eigenen Bedürfnisse weiterverarbeiten zu können.
Hier hadere ich noch sehr mit der Begrifflichkeit. Bisher mag mir nichts präziseres als “übertragend” für die Dienstleistungen einfallen, welche die Nachnutzung bibliograph. Daten aus OPACS und Datenbanken durch im persönlichen Literaturverwaltungsprogramm, möglich machen.
4. Personalisierende Dienstleistungen
Mit “Personalisierenden Dienstleistungen” seien jene Services beschrieben, die den Nutzern bereitgestellt werden, um die Literaturverwaltungsoftware vor dem Hintergrund fachlicher und institutioneller Ressourcen und Standards, nach individuellen Bedürfnissen anzupassen. Hierzu zählt die Bereitstellung von Instrumenten zur direkten Nutzung lizensierter bibliographischer Auskunftsmittel, wie z.B. Datenbanken.
4 Comments
Hallo Matti,
ich habe das ganze nur kurz überflogen und mir ist nur eine kleine Ergänzung eingefallen für den Bereich Zielgruppe. Eine weitere Zielgruppe sollten “Mediatoren” sein, also jene Gruppe, die Werbung für das Produkt und das bibliothekarische Angebot “Literaturverwaltung” machen können oder Hilfestellungen liefern, ohne selbst in erster Linie Wissenschaftler oder Studierender zu sein, z.B. Mitarbeiter des Rechenzentrums, Datenverarbeitungsbeauftragte, Tutoren, Studienberater usw.
LG und weiterhin viel Erfolg,
Dörte
Hallo Dörte,
vielen vielen Dank für den Hinweis, den ich gerne aufnehme. Die Berücksichtigung von Mediatoren, das wären aus meiner Sicht beispielsweise die BibliotheksmitarbeiterInnen, welche die Schulungen durchführen, ist ein sehr interessanter Gedanke. Bis dato ist mir ein zielgerichtetes Angebot noch nicht über den Weg gelaufen. Hast du ein konkretes Beispiel?
Grüße
Matti
Hallo Matti,
Bibliotheksmitarbeiter habe ich bewusst bei den Mediatoren außen vorgelassen, wobei sie natürlich eine wichtige Rolle spielen. In der Regel reicht es jedoch, wenn sie von entsprechenden Angeboten ihrer Bibliothek wissen und die Ansprechpartner in der Bibliothek kennen. Hier in Augsburg werden für Refworks die Schulungsangebote des Anbieters genutzt. Für Citavi bieten wir eigene Schulungen für Anfänger und Fortgeschrittene an. Das Citavi-Literaturverwaltungsteam besteht aus 5 Mitgliedern, von denen 3 aktiv die Schulungen durchführen. Immer wieder haben wir auch Mitarbeiter der Universität darunter, die in Kleingruppen geschult werden. Sie erreichen wiederum Studierende, die sie im Rahmen ihres Studiums betreuen.
Diese Mediatoren zu erreichen ist wichtig, da man über sie Studierende erreicht, die man als Bibliothek direkt nicht erwischen würde.
Ich denke, wir werden uns in Leipzig sehen und können dann gerne über den ein oder anderen Aspekt sprechen, wenn du magst.
Grüße,
Dörte
Matti, ich bin mir nicht sicher über Übergang/Differenz der Klassen 2 und 3. Ich finde, in den Klassen 1 und 2 bescheibst du das Verhältnis zwischen Information Professional und LV-Benutzer *formal*: 1. Informierend, 2. (materiell) unterstützend. Bei 3 springst du auf den *Inhalt* der Unterstützung. Geht es dir bei 3. und 4. um Unterstützung, bei der Institutionen ihre eigene Infrastruktur den Bedürfnissen der LV-Benutzer entsprechend anpassen? Dann würde ich es so schreiben. Informationen *über* Wege der Datenübernahme aus Datenbanken etc. wären hingegen Unterfälle von 1 und 2. Vielleicht habe ich dein Modell aber auch noch nicht richtig verstanden.