Erste Gedanken zu Nutzertypen bibliothekarischer Dienstleistungen für Literaturverwaltung – Der Wochenrückblick 14.-20.12.2009 Teil I

Nach der Vorstellung meines Konzeptes im Forschungskolleg, habe ich nun damit begonnen, mich mit der Präzisierung meiner Untersuchungsmethode zu beschäftigen. In diesem Sinne habe ich meine Gedanken schweifen lassen sowie Testrecherchen vorgenommen, um idealtypische Nutzer / Interessenten / Zielpersonen für bibliothekarische Dienste zu Literaturverwaltung zu entwerfen. Gewissermaßen sind das  die Brainstorm-Vorüberlegungen, ehe ich mich intensiver mit der Methode des Cognitive Walkthrough auseinandersetze…

1. Grobe Typologisierung des Nutzers (N.)

a) Allgemein

  • N. studiert bzw. arbeitet an einer wissenschaftlichen Institution oder ist als externe Person an fachwissenschaftlichen Informationen interessiert und nutzt daher die Bibliothek und ihre Dienstleistungen, bzw. will es tun
  • N. hat mit wissenschaftlichen Informationen, gleich ihrer Publikationsform, zu tun
  • N. will/muss diese Informationen sammeln, aufbereiten und verwwerten können – für eigene Publikationen oder auch nur zum Wissenserwerb bzw. zur Wissensorganisation u.a. für das berufliche Fortkommen
  • Folglich: Breiter, altersunabhängiger Kreis infragekommender Nutzer (heterogene Gruppe): Studierende, wissenschaftliche Mitarbeiter von Bildungsinstitutionen (Lehrer, Professoren, Mittelbau / wiss. Mitarbeiter, Hilfskräfte), interessierte Laien

b) Typ A (Einsteiger)

  • Bei dem N. ist grundsätzliche Bereitschaft zur Beschäftigung mit Literaturverwaltung vorhanden, hat jedoch keine Vorkenntnisse

c) Typ B (Fortgeschrittene)

  • N. weiß um die Vorteile elektronischer Literaturverwaltung und nutzt bereits ein Literaturverwaltungsprogramm und will für den fortgeschrittenen Umgang mit bibl. Daten die Bibliothek in Anspruch nehmen


2. Mögliche Informations- bzw. Dienstleistungsbedürfnisse des Nutzers

a) Allgemein:

  • N. will sich einen Überblick verschaffen, was (s)eine Bibliothek ihm zum Thema persönliche Literaturverwaltung an Dienstleistungen anbietet

b) Typ A:

  • will wissen was, elektronische Literaturverwaltung ist, und welche Vorteile diese bringt
  • braucht ein Literaturverwaltungsprogramm und will wissen ob seine Institution / Bibliothek ihm Lizenz(en) bereitstellt
  • braucht Informationen über die Grund-Funktionalität von Literaturverwaltungsprogramm(en)
  • braucht Unterstützung in der Benutzung eines Literaturverwaltunsprogramms -> sucht Infomaterial, eine Schulung, ein Tutorial

c) Typ B

  • will wissen, ob und inwiefern seine Bibliothek Personalisierungsmöglichkeiten für das von ihm genutzte Literaturverwaltungsprogramm anbietet (Einstellungsdatei, Zitierstil)
  • möchte die Benutzung auf spezielle Funktionen (Datenbankrecherche aus LVs heraus, Zitierstilanpassung, fortgeschrittener Export…) ausweiten und sucht dafür Unterstützung -> sucht Infomaterial, eine Schulung, ein Tutorial
  • will seine Suchergebnisse in bibl. Datenbanken(inbes. OPAC)  speichern und mit seinem LVS nachnutzen; will daher wissen, welche Exportformate die bibliothekarischen Datenbanken zur Verfügung stellt bzw. wie der Export funktioniert

3. Mögliche Recherchestrategien des Nutzers

a) Allgemein

  • Blick auf die Hauptseite der Bibliothekswebsite
  • Blick in den A-Z-Liste / in die Sitemap der Bibliothekswebsite
  • Benutzung der Suchfunktion der Bibliothekswebsite (Einfache Suche, Expertensuche)
  • Blick auf die News / Aktuelles-Seite
  • falls kein Erfolg: Übergang zur  Hauptseite der Institution und Nutzung der dortigen Recherchemöglichkeiten (Suchschlitz, A-Z-Liste, Sitemap) um sicher zu gehen, ob nicht noch eine andere Abtzeilungen Dienstleistungen anbietet

b) Typ A

  • Suche nach “Literaturverwaltung” (und gängige Synonyme) plus evtl Kombination mit Anliegen (Schulung, Lizenz etc.)

c) Typ B

  • Suche nach “Literaturverwaltung” (und gängige Synonyme) plus evtl. Kombination mit Anliegen (Schulung Zitierstil, Profildatei  etc.)
  • Recherche im OPAC und dann Suche nach Speicher- bzw. Exportmöglichkeiten
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6 Responses to “Erste Gedanken zu Nutzertypen bibliothekarischer Dienstleistungen für Literaturverwaltung – Der Wochenrückblick 14.-20.12.2009 Teil I”

  1. Dörte
    Dezember 21st, 2009 | 14:48

    Hallo Matti,

    deine Auflistung ist treffend, allerdings haben wir bei unseren Schulungen ein etwas differenziertes Bild. Es gibt bei der Typologisierung einen Mitteltyp. Diese setzen eine Literaturverwaltung ein, z.B. eine Free-Version von Citavi, kennen deren Grundfunktionalitäten sehr genau, können jedoch mit dem ganzen bibliothekarischen Drumherum (Artikel, graue Literatur, Monographie etc.) nichts anfangen. Diesen Nutzern können wir derzeit nur sehr bedingt mit unserem Schulungsangebot für Literaturverwaltungsprogramme weiterhelfen.

    LG,
    Dörte

  2. Dezember 22nd, 2009 | 08:34

    Hallo Dörte,

    danke für den Einwand. Kannst du mir bitte den “Mitteltyp” nach deiner Vorstellung etwas genauer erklären? Auf dem ersten Blick erschließt sich mir nämlich nicht, worin der Schulungsbedarf für diese Nutzerform aussieht, bzw. wie ein dementsprechendes Angebot in der Theorie dann aussehen könnte. Für mich stellt es sich in deinen wenigen Zeilen nämlich so dar, dass die Mitglieder diese Nutzergruppe recht zufrieden mit den Grundfunktionalitäten sind, daher auch keine wirklichen Ambitionen haben, weitere Funktionalitäten kennenzulernen und zu nutzen…

    Viele Grüße

  3. Dörte
    Dezember 22nd, 2009 | 09:55

    Hallo Matti,
    sie benötigen neben einer weiterführenden Schulung in das Literaturprogramm auch eine grundlegende Einführung in bibliothekarisches Grundwissen. Sie wissen zwar, wie sie den Artikel aufnehmen können, wissen aber nicht, wie sie einen Artikel recherchieren, manchmal auch gar nicht, was sich hinter den im Literaturprogramm verwendeten Begrifflichkeiten versteckt. Sie arbeiten intuitiv mit den Grundfunktionen des Programms, können sie aber auch nur sehr rudimentär einsetzen, d.h. sie wissen z.B. wie sie ein Literaturverzeichnis ausgeben, das dann jedoch vor Fehlern strotzt, weil sie einen digitalen Zeitschriftenartikel als Website ausgeben.
    Es besteht ein Schulungsbedarf, der wenig mit einer technischen Vermittlung der Anwendung zu tun hat. Dort könnte man bedingt auch schon von Fortgeschrittenen ausgehen. Vielleicht ist daher der Punkt “biblitohekarisches Wissen” auch zu vernachlässigen, lässt aber die Frage nach integrierbaren Angeboten offen, sprich eine Mischung aus Recherche-/Datenbankschulung und Literaturverwaltungsprogramm, wobei ich mir in diesem Rahmen z.B. das Erstellen bzw. Anpassen von Zitierstilen schwierig vorstelle.
    Ein Schulungskonzept gibt es bei uns momentan nicht, da wir nicht wirklich eine umsetzbare Idee haben, wie wir diese Klientel erreichen können. Einzelschulungen sind sicherlich sinnvoll, binden aber sehr viel Zeit und geschultes Personal.
    Viele Grüße,
    Dörte

  4. Dezember 22nd, 2009 | 13:16

    Lieber Matti, ich habe eine Frage zu den Benennungen, die du in deiner Arbeit verwenden willst. Du sprichst die ganze Zeit von “Nutzer”, nicht von Nutzerin oder Nutzende. Ich bin mir über das generische Maskulin und dessen Verwendung im Klaren, will dich aber darauf hinweisen, dass dieser Punkt für mich sehr wichtig ist. Würde mich freuen, wenn du einen Umgang mit dem Thema finden könntest, der ohne den einleitenden Absatz “…damit meine ich beide Geschlechter…” auskommen kann.
    Liebe Grüße, Mari*us

  5. Dezember 23rd, 2009 | 14:25

    Hallo Marius,

    vielen Dank für den Hinweis. Wäre dein Vorschlag denn, konsequent von Nutzenden (der Nutzende, die Nutzende) oder abwechselnd vom Nutzer und von der Nutzerin zu sprechen? Wie gehst du denn in deinen Arbeiten vor, ohne das der Lese- / Schreibfluss beeinträchtigt wird? Ich bin dankbar für Hilfestellungen und Anregungen.

    Grüße

    Matti

  6. Januar 4th, 2010 | 12:08

    Die Magisterarbeit liest doch eh kein Mensch (außer den Gutachtern), also wird sich auch niemand auf den Schlips getreten fühlen. Falls du Ergebnisse der Arbeit veröffentlichen willst, Matti, dann mach doch einen englischsprachigen Text draus, dann gibt’s auch weniger Probleme mit dem Genus.

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